Bettina Müller

SPD-Bundestagsabgeordnete. Main-Kinzig. Wetterau. Schotten.

Ärztemangel: Schluss mit Planung nach „Schema F“

16. Juli 2014 - 0:00

Lange auf einen Termin warten und dann weit fahren – was sich nach Traumurlaub in einem begehrten Hotel anhört, ist für viele Menschen in unserer Region schlicht der Alltag, wenn es um die ärztliche Versorgung geht. Oft vergehen Wochen bis zur Untersuchung beim Facharzt. Und der Weg zum nächsten Hausarzt wird von Jahr zu Jahr länger, weil die alte Praxis um die Ecke schließt und eine neue – falls überhaupt - in der nächstgelegenen größeren Stadt wieder öffnet.

Was viele Bürgerinnen und Bürger aus leidvoller Erfahrung kennen, ist jetzt auch gutachterlich belegt: Die bedarfsgerechte fach- und hausärztliche Versorgung ländlicher Regionen ist vielfach nicht mehr gewährleistet. Die Schere zwischen überversorgten städtischen Regionen und unterversorgten ländlichen Räumen geht immer weiter auseinander. Das hat kürzlich der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen der Bundesregierung in seinem neuesten Gutachten noch einmal eindrucksvoll vor Augen gehalten.

Die Verantwortung für die sogenannte Bedarfsplanung, also die regionale Verteilung der Fach- und Hausärzte, liegt bei den Kassenärzten selber. Sie haben per Gesetz die Versorgung sicherzustellen und erhalten dafür fast zwei Drittel der Krankenversicherungsbeiträge. Das Problem: Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) macht es sich bei der Planung zu einfach. Da wird oft genug nach „Schema F“ vorgegangen, obwohl die Richtlinien durchaus Möglichkeiten kennen, auf regionale Besonderheiten Rücksicht zu nehmen. Offenbar scheut man aber den Aufwand und den Dialog mit Kommunalpolitikern und den Menschen in der Region.

Dabei könnten schon simple Möglichkeiten, wie längere Praxisöffnungszeiten helfen, die gefühlte Unterversorgung zu verbessern. Auch die Überversorgung in Ballungszentren muss die KV endlich angehen. Abhilfe könnten neue gesetzliche Regelungen schaffen: Mehr Telemedizin, die Übertragung ärztlicher Routinearbeiten an andere Gesundheitsberufe sowie kommunale Gesundheitszentren sind nur einige Optionen. Hier dürfen KV und Land die Probleme aber nicht einfach auf die Kommunen abwälzen. Ein sinnvolles Gesamtkonzept muss her. Wir dürfen nicht warten, bis die KV Hessen endlich einen Termin findet, sich damit zu beschäftigen.

Kolumne im Gelnhäuser Tageblatt

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