Bettina Müller

SPD-Bundestagsabgeordnete. Main-Kinzig. Wetterau. Schotten.

Keine Sorge um die Main-Kinzig-Klinik

10. November 2013 - 0:00

Der Gesundheitsexperte der SPD schlägt vor, Krankenhäuser zu schließen? Da musste ich erst einmal schlucken, als ich das am Wochenende in der Zeitung las. Ich musste Karl Lauterbach aber doch nicht anrufen, um ihm zu erläutern, dass für den Bergwinkel das Aus der Main-Kinzig-Klinik eine ziemliche Katastrophe wäre. Um die Main-Kinzig-Kliniken brauchen wir uns (vor allem dank des Engagements des Kreises) natürlich keine Sorgen zu machen. Im weiteren Verlauf des Zeitungsartikels konnte ich lesen, dass Karl Lauterbach in erster Linie die Kliniken in den Städten meinte. Entwarnung? Nach einem Bericht des Rheinischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) stehen 13 Prozent aller Kliniken auf der Kippe. Mehr als ein Drittel aller Krankenhäuser schreiben rote Zahlen. Deshalb sind Karl Lauterbach und ich uns einig, dass wir um eine ernste Diskussion um die Zukunft unserer Krankenhäuser nicht herum kommen werden. Krankenhäuser sind keine Gewerbebetriebe, sondern für die Patienten da. Für die Sicherstellung einer guten Krankenhausversorgung ist jedoch das Land Hessen verantwortlich. In einem Entwurf der SPD-Landtagsfraktion für ein neues Krankenhausgesetz werden Pflegestandards definiert. Auch soll eine stärke Krankenhausplanung den kannibalistischen Wettbewerb unter den Krankenhäusern stoppen. Denn am Ende zählt doch, dass die Patientinnen und Patienten auf die gute Qualität der Krankenhäuser vertrauen können. Deshalb kann ich einer neuen Landesregierung (wer auch immer das sein mag) nur empfehlen, diesen Gesetzentwurf sehr wohlwollend zu beraten.

Für die Menschen des Bergwinkels spielt die Klinik angesichts des drohenden Hausärztemangels noch eine weitere wichtige Rolle. Sie schließt zumindest teilweise eine Lücke. Zwar versichert die Kassenärztliche Vereinigung, dass wir keinen Hausärztemangel im Main-Kinzig-Kreis haben, wir Menschen vom Land wissen es aber besser. Auch der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität, Professor Gerlach, prognostizierte kürzlich, dass in 12 Jahren in Hessen 1500 Hausärzte fehlen werden. Gründe gibt es viele! Hier eine Auswahl:

Zum einen wurde vor 10 Jahren im Bund das sogenannte Gesundheits-Struktur-Gesetz verabschiedet. Weil befürchtet wurde, dass eine Ärzteschwemme droht, wurde eine strikte Bedarfsplanung eingeführt und medizinische Studienplätze halbiert. Hoppla, merken Sie was? Heute leiden besonders die ländlichen Regionen unter Ärztemangel. Bis vor wenigen Monaten war es in Hessen so, dass der Main-Kinzig-Kreis ein Planungsbereich darstellte. Wenn nun ein Arzt im Bergwinkel in Rente ging, konnte seine Lizenz auch in Hanau landen. Seit Juli gelten in Hessen neue Planungsbereiche, die zumindest in die richtige Richtung gehen. Ein Planungsbereich für Hausärzte ist die Region Schlüchtern, Sinntal und Steinau. Wenn sich nun hier eine Ärztin zur Ruhe setzt, bleibt es zumindest in der näheren Umgebung. Dieser neue Bedarfsplan gilt 18 Monate und soll dann noch einmal überprüft werden (was ich gut finde, denn ich habe noch erheblichen Diskussionsbedarf).

Viel wichtiger als der Bedarfsplan ist der Ärztenachwuchs. Der durchschnittliche Hausarzt ist 53 Jahre alt und geht mit 63 in Rente. Durchschnittliche Arbeitszeit: 57,6 Stunden (seien Sie sich sicher, dass ein Landarzt mehr arbeiten muss, dafür aber nicht mehr verdient und dennoch die volle Verantwortung eines Unternehmers trägt). Aus solchen Gründen ist der Beruf des Hausarztes so unattraktiv wie nie zuvor. Wir können also noch so viel Planen wie wir wollen, es hilft alles nichts, wenn kein junger Arzt im Bergwinkel arbeiten und leben möchte. Junge Ärztinnen und Ärzte könnten sich Umfragen nach hingegen gut vorstellen, bei einer Praxis angestellt zu sein. Da sind wir wieder bei der Rolle der Krankenhäuser, die gerade hier einspringen könnten, wo es niedergelassene Hausärzte nicht mehr können oder wollen. Wir in Deutschland haben zu langen gewartet, wichtige Entscheidungen im Gesundheitswesen zu treffen. Das holt uns nun ein.

Kolumne in den Kinzigtal-Nachrichten

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