Bettina Müller

SPD-Bundestagsabgeordnete. Main-Kinzig. Wetterau. Schotten.

Fokus: Sterben

Themenseite der Bundestagsabgeordneten Bettina Müller
Meinung
Dienstag, 7. April 2015 - 14:30
Name: 
Dr. Thomas Spies (SPD-Landtagsabgeordneter, Gesundheitspolitischer Sprecher)

Wer Sterbehilfe diskutiert, der sollte Palliativmedizin und Hospizversorgung diskutieren. Denn woher kommen Sterbehilfedebatten? Sie sind Ausdruck der Angst, einen unerträglichen Zustand nicht mehr aushalten zu können. Dann die Kontrolle zu haben, ist ein verbreiteter und berechtigter Wunsch.

Politik muss deshalb vor allem sicherstellen, dass niemand Angst haben muss. Eine ausreichende Versorgung mit Palliativmedizin und Palliativmedizinern, ein flächendeckendes Hospizangebot und die Gewissheit, dass alles getan wird, was nötig ist, machen Sterbehilfedebatten überflüssig. Ausreichende Schmerzmedikation, auch mit ungewöhnlichen Methoden – dass die Verordnung von Cannabis für solche Patienten immer noch so schwer ist, ist ein Unding. Dazu gehört auch ein Ende von Angstpropaganda durch manche Interessenvertreter im Gesundheitswesen. 

Aber es gibt Fälle schwerer Erkrankungen, vor allem in der Neurologie, bei denen am Ende alles nicht hilft. Schon heute kann dann auch beim Suizid assistiert geholfen werden, solange der oder die Betroffene immer die Letztkontrolle behält. Kommerzialisierung wäre wirklich abscheulich. Und jede Lösung, die falschen Druck auf Schwerkranke, Hilfs- und Pflegebedürftige ausüben kann, muss vermieden werden. Ich glaube, unsere Regelungen sind ausreichend, unsere Praxis ist es nicht immer.

Wie wollen wir sterben? Als ich ein junger Arzt war, da wurde ich mit dem Notarztwagen zu einem Patienten gerufen, der mit weit über achtzig Jahren an einem sonnigen Herbstnachmittag über die Stoppelfelder geritten war, dabei einen Herzinfarkt bekommen hatte und tot vom Pferd gefallen war. So würde ich gerne sterben.