Bettina Müller

SPD-Bundestagsabgeordnete. Main-Kinzig. Wetterau. Schotten.

Bettina Müller (SPD): Wir müssen den Ausbau der Palliativ- und Hospizstrukturen forcieren

11. Mai 2015 - 22:44
SPD-Bundestagsabgeordnete besuchte „Diakoniestation Hoher Vogelsberg“

Die SPD-Gesundheitspolitikerin Bettina Müller will es wissen: Wie ist – vor Ort - die Situation in der häuslichen Pflege Sterbender? Wo gibt es Probleme? Wohin soll es sich entwickeln? Als sie gemeinsam mit Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab (SPD) die „Diakoniestation Hoher Vogelsberg“ besuchte, fragte sie deshalb 
auch dort nach: „Wann kommen Sie nicht mehr weiter?“

Schwerstkranke im Vogelsberg, die zu Hause sterben möchten, können das Angebot der „Diakoniestation Hoher Vogelsberg“ nutzen. Und das kann sich durchaus sehen lassen. Immerhin gibt es dort zwei „Pflegefachkräfte Palliativ Care“, neben regelmäßigen Fortbildungen des Teams und der Zertifizierung mit dem Diakoniesiegel. So weit, so gut.

Doch wenn Patienten plötzlich Atemnot leiden, extreme Schmerzen bekommen, oder wenn spezielle Infusionen gelegt werden müssen, sind dem Team die Hände gebunden, wie Christian Schick, geschäftsführender Pflegedienstleiter, Bettina Müllers Frage beantwortete. Dann ist die „spezielle, ambulante Palliativ-Versorgung“ (SAPV) gefragt. Hierbei wird Schotten von der Uni Gießen versorgt. Schick: „Zum Glück fahren die Gießener bis zu uns raus, aber es dauert eben eine Stunde.“ Eine Stunde, die die Patienten und die Mitarbeiter der Diakoniestation überstehen müssen. Bei Atemnot. Bei quälenden Schmerzen. „Zu Hause sterben zu dürfen, das wünschen sich die meisten. Aber dann muss das Netzwerk auch gut geknüpft sein“, meinte Schick.

Bettina Müller pflichtete ihm hierin bei. „Wir müssen den Ausbau der Palliativ- und Hospizstrukturen forcieren. Das haben wir gemerkt im Rahmen der Diskussionen über Sterbehilfe. Wie Umfragen belegen, verringert sich der Wunsch nach Beihilfe zum Selbstmord von 80 Prozent auf 30 Prozent, wenn wir den Menschen am Lebensende ermöglichen, angstfrei, schmerzfrei und begleitet die letzte Zeit zu fristen.“

Die Bundespolitiker beherzigen diese Ergebnisse aus der Wissenschaft. Daher arbeiten sie zunächst am Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) und nehmen sich erst danach der Sterbehilfe an. Wie Bettina Müller ausführte, sollen nach dem HPG-Entwurf die Zuschüsse für Hospiz- und Palliativversorgung von derzeit 400 auf 600 Millionen angehoben werden. Bei Hospizen sollen die zuschussfähigen Kosten von aktuell 90 auf 95 Prozent erhöht werden. Zudem ist geplant, einen Rechtsanspruch auf palliative Versorgung im ambulanten, wie stationären Bereich, ein zu führen.

Doch wie soll die medizinische Begleitung Sterbender organisiert werden? Bettina Müller stellte das so genannte „Westfälische Modell“ vor, bei dem die Hausärzte im Mittelpunkt stehen. „Das Problem ist doch, dass unsere Hausärzte chronisch überlastet sind“, meinte Schick hierzu. „Hier in Schotten haben wir vier Hausarzt-Praxen von denen zwei in absehbarer Zeit schließen werden. Zwei Hausärzte haben die Palliativweiterbildung gemacht und wir arbeiten auch sehr gut mit ihnen zusammen. Aber wir haben schlichtweg einen Ärztemangel, das ist der Kern des Problems.“ „ Bei der Versorgung mit Hausärzten hat die Kassenärztliche Vereinigung einen Sicherstellungsauftrag. Dem ist sie in der Vergangenheit leider nicht sehr gut nachgekommen“, meinte Bettina Müller. „Und wenn der Ärztekammer-Präsident, Professor Frank Ulrich Montgomery, den schwarzen Peter an die Kommunen schiebt und sagt, die sollten sich eben attraktiver machen, so ist das zynisch. Wovon sollen sich unsere Kommunen denn attraktiver machen? Das Land Hessen lässt sie doch finanziell ausbluten.“

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