Bettina Müller

SPD-Bundestagsabgeordnete. Main-Kinzig. Wetterau. Schotten.

Fokus: Sterben

Themenseite der Bundestagsabgeordneten Bettina Müller
Meinung
Dienstag, 17. März 2015 - 23:00
Gedanken zu den Themen Sterbehilfe, Hospiz- und Palliativversorgung
Name: 
Manfred Görig, Landrat Vogelsbergkreis

Viele Menschen haben nicht nur Angst vor dem Sterben, sondern auch vor der letzten Phase des Lebens, in der sie durch Krankheit, Behinderung, Schmerzen, Demenz oder ähnliches eingeschränkt sind. Oft wird erst in der Krankheit erkennbar, wie wichtig die verlorene Gesundheit war. Trotz großer gesundheitlicher Einschränkungen erreichen viele Patienten aber eine Zufriedenheit, wenn sie entscheidungsfähig, handlungsfähig und schmerzfrei leben können. Um dies zu realisieren, ist eine gute ärztliche und pflegerische Versorgung erforderlich. Durch die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Menschen in der letzten Lebensphase kann es kein schematisiertes Vorgehen nach Plan geben. Hausärzte, Fachärzte verschiedener Fachrichtungen, Palliativmediziner, Pflegedienste, Pflegeheime und Krankenhäuser sowie Palliativstationen und Hospize haben unterschiedliche Aufgaben, die bisher nur getrennt wahrgenommen wurden. Es wäre wünschenswert, Abstimmungsgespräche zwischen den verschiedenen Beteiligten herbeizuführen, vergleichbar mit Hilfeplankonferenzen für behinderte Menschen: Multiprofessionelle Ethikkommissionen sollten individuelle Konzepte erstellen.

  • Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) ist in Hessen relativ gut installiert (im Vogelsbergkreis ist lediglich Freiensteinau ein weißer Fleck), die Existenz der SAPV-Teams muss allerdings auch langfristig gesichert werden.
  • Die allgemeine Palliativversorgung durch die Hausärzte sollte ausgebaut werden.
  • Hilfreich wäre die Einrichtung kleiner stationärer Palliativstationen in den Krankenhäusern für die Menschen, die trotz allem nicht ambulant zu Hause versorgt werden können.
  • Der Unterhalt von Hospizen ist finanziell sehr aufwändig, die Belegung sehr unterschiedlich. Organisatorisch wäre es relativ leicht, sterbende Patienten wohnortnah in einem Pflegeheim unterzubringen. Die Wohnortnähe ist den Sterbenden und den Angehörigen sehr wichtig. Hochproblematisch ist die bisherige Praxis, dass die Unterbringung in einem Hospiz kostenfrei ist, dass in einem Pflegeheim aber hohe Kosten entstehen.

Es gibt gesellschaftliche Fragen, die noch geklärt werden müssten, beispielsweise: 

  • Wann beginnt das Sterben? 
  • Wie gehen wir mit Demenz um?
  • Welchen Preis wollen wir zahlen für eine menschenwürdige Versorgung in Krankheit und Alter?
  • Brauchen wir mehr Bedarfsforschung?

Die derzeitige juristische Regelung der Sterbehilfe in Deutschland wird großenteils akzeptiert und erscheint mir nicht änderungsbedürftig (aktive Sterbehilfe ist verboten; assistierter Suizid ist legal, wenn der Betroffene das Mittel selbst einnimmt; passive Sterbehilfe ist legal, wenn eine Willensäußerung des Betroffenen oder gültige Patientenverfügung; indirekte Sterbehilfe ist legal, wenn eine Willensäußerung des Betroffenen oder gültige Patientenverfügung vorliegt). Lediglich die Regelung, dass assistierter Suizid straffrei ist, der Helfer aber wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden kann, ist äußerst fragwürdig.