Bettina Müller

SPD-Bundestagsabgeordnete. Main-Kinzig. Wetterau. Schotten.

Interview

Bettina Müller

Im Gespräch mit Bettina Müller...

Wie sehr ihr Leben auf den Kopf gestellt wurde, wusste Bettina Müller noch nicht, als sie 2013 für den Bundestag kandidierte. Seither ist sie auf Dauerreise durch ihren Wahlkreis Main-Kinzig/Wetterau/Schotten. Das prägt ihre Arbeit im Bundestag. Mit dem Slogan „Typisch Wahlkreis“ tritt sie erneut als Bundestagskandidatin an.

FRAU MÜLLER, SIND SIE TYPISCH FÜR DEN WAHLKREIS?

(lacht) Womöglich. Meine Heimatgemeinde Flörsbachtal befindet sich am südlichsten Zipfel des Wahlkreises. Wenn ich Termine habe, bin ich meistens ein Weilchen unterwegs. Der Wahlkreis ist fast doppelt so groß wie Berlin, hat aber nur einen Bruchteil der Einwohner. All das macht uns Menschen vom Dorf oder aus den Kleinstädten ungeheuer flexibel. Wir sehen einfach mehr Vorteile als Nachteile darin, hier zu leben.

EINE ZEITUNG HAT SIE MAL ALS ANWÄLTIN DER DÖRFER BEZEICHNET...

... und das habe ich als großes Kompliment betrachtet. Was mich umtreibt, ist die Chancengleichheit zwischen den Menschen auf dem Land und in der Stadt.

WAS MÜSSTE DENN PASSIEREN?

Ich habe mich immer dafür stark gemacht - auch jetzt im SPD-Wahlprogramm - ein klares Signal für die Dörfer und Kleinstädte zu setzen. Das ist ganz gut gelungen. Wir brauche hier auch in Zukunft wohnortnahe Versorgungsangebote mit Einkaufsmöglichkeiten oder Dienstleistungen. Mobilität ist für den Erhalt des ländlichen Raums das A und O. Ein Balance-Akt, denn Verkehr kann auch Nachteile bringen. Etwa durch Lärmbelastung. Außerdem brauchen wir auf dem Land generationengerechten Wohnraum, ein vielfältiges Angebot an Bildung, Kultur, Freizeit und Sporteinrichtung. Deshalb bin ich meiner Partei dankbar, dass wir uns ganz deutlich für kostenfreie Bildung bekannt haben.

WIE HILFT DENN KOSTENFREIE BILDUNG DEM WAHLKREIS?

Abgesehen davon, dass Bildung aus Überzeugung kostenfrei sein sollte, wäre es ein Konjunkturprogramm für die Dörfer und Kleinstädte vom Feinsten. Zum einen würde das den Familien zugutekommen. Die Kindergartengebühren schwanken im Wahlkreis immerhin zwischen Null und 300 Euro pro Kind im Monat. Zum anderen profitieren die Städte und Gemeinden davon, wenn der Bund und die Länder die Betriebskosten tragen würden. In vielen

Kommunen ist das Minus in der Kasse identisch mit ihren Ausgaben für die Betriebskosten der Kitas. Überlegen Sie sich einmal, was die Städte und Gemeinden mit dem Geld machen könnten.

SIE HABEN BEIM WAHLPROGRAMM BEIM THEMA GESUNDHEIT UND PFLEGE MITGEARBEITET...

... weil es schon immer ein Herzensthema von mir ist. Als Krankenschwester, Anwältin und aktuell im Gesundheitsausschuss des Bundestages. Es darf einfach nicht sein, dass eine gute Gesundheitsversorgung vom Einkommen oder Wohnort abhängt. Das bedeutet auch, dass wir mehr Hausärztinnen und Hausärzte brauchen, denn sie sind die erste Anlaufstelle im Krankheitsfall. Aber auch gute Pflege. Wir brauchen zudem eine Bürgerversicherung, in der alle auf gleiche Weise gut versichert sind. Eine Zwei-Klassen-Medizin sollte es einfach nicht länger geben.

GIBT ES AUCH EIN GEGENTEIL ZU IHREM HERZENSTHEMA?

Nein, aber es gibt ein unfreiwilliges Herzensthema: Es geht darum, ob wir einen weltoffenen Wahlkreis wollen oder ob wir uns für Ausgrenzung entscheiden. Immer wieder werde ich dazu geholt, um Rechtspopulisten Paroli zu bieten. Vereinzelte Orte befindet sich häufig in einem regelrechten Belagerungszustand. Hut ab für die vielen couragierten Bürgerinnen und Bürger überall, die ein friedliches Signal gegen Rechts und Extremismus senden. Es hat viel Kraft gekostet, Deutschland zu dem demokratischen Land zu machen, das es heute ist. Und es wird auch weiter Kraft kosten, das zu erhalten oder gar zu verbessern. Aus meiner Sicht gibt es hier aber langfristig nur eine Lösung: Wir müssen unsere Demokratie wieder attraktiver machen. Machen wir Wahlkämpfe und Wahlen zu Festtage der Demokratie. Holen wir Wahlen zurück ins Alltagsleben.

Typisch Müller...

Geboren am 7. Juni 1959 in Alzenau/Wasserlos

Lebt mit Familie in einem Mehrgenerationenhaus in Flörsbach

Ist gelernte Krankenschwester und Anwältin

Wurde 2013 in den Bundestag gewählt

Bereist seit 2012 den Wahlkreis mit einem Mini-Wohnwagen,

um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen

Ihr Team nennt Sie liebevoll „Die Müllerin“