Politikerin ohne Schnickschnack

Was hat der Spessart mit dem Vogelsberg gemeinsam? Eine sympathische Bundestagskandidatin. Die Klartext-Redaktion sprach mit Bettina Müller aus dem Flörsbachtal im Spessart über weite Strecken und Butterbrote. Sie kandidiert für uns im neu geschaffenen Wahlkreis 175, der sowohl im Main-Kinzig-Kreis, als auch in der Wetterau und dem Vogelsbergkreis liegt. Wir führten mit Bettina ein sehr persönliches Gespräch, abseits von politischen Parolen:

 

Klartext: Wie war die Fahrt in den Vogelsberg?

 

Bettina Müller: Zu einem Leben auf dem Land gehören nun mal weite Strecken. Überlege mal, wenn ich in meinem Heimatdorf Flörsbach zu einer Ortsvereinssitzung in den neuen Wahlkreis 175 starte, dann kann eine Fahrt schon mal locker eine Stunde dauern. Das ist aber kein Nachteil. Wir Landmenschen sind einfach Mobil. Das erinnert mich stark an die eigenen Jugendzeit oder die meiner Kinder. Es ist normal, dass man für ein zwei Stündchen Disko genauso lang im Auto sitzt. Das erklärt vielleicht auch, warum im Vergleich zu Großstadtmenschen überproportional mehr junge Menschen vom Land auf Weltreise gehen oder im Vorstand globaler Unternehmen sitzen. Weite Strecken gehören bei uns zum Leben einfach dazu und machen und flexibel und beweglich.

 

Klartext: Ist der neue Wahlkreis wegen seiner großen Fläche ein Nachteil?

 

Bettina Müller: Für mich nicht. Bevor ich Anwältin wurde, war ich Gemeindeschwester. Da ist man einfach viel unterwegs. Jetzt habe ich zwar mit meinem Mann eine Anwaltskanzlei im Flörsbachtal, bewege mich aber immer noch beruflich durch die ganze Region. Als gesetzliche Betreuerin und Verfahrensbeiständin bin ich eigentlich immer viel unterwegs.

 

Klartext: Bleibt da noch Zeit für Politik?

 

Bettina Müller: Ich komme aus einer Familie von Kommunalpolitikern und Vereinsmeiern. Politik ist da nicht eine Frage der Zeit. Du musst wissen, dass ich politisch vielleicht ein bisschen altmodisch bin…

 

Klartext: … wie meinst du das?

 

Bettina Müller: (lacht) Mein Kampa-Team will immer, dass ich in solchen Situationen Butterbrot sage.

 

Klartext: Was hat Butterbrot mit altmodischer Politik zu tun?

 

Bettina Müller: Ich habe meinem Team einmal eine Geschichte erzählt. Du kennst vielleicht Sascha Lobo – den mit der roten Irokesenfrisur und Schnurbart.

 

Klartext: Er sitzt im Online-Beirat der SPD.

 

Bettina Müller: Und dessen talentierte Ehefrau Meike Lobo hat einmal geschrieben, dass sie wegen ihrem Großvater SPD wählt. Dieser hat in der Nazizeit polnischen Zwangsarbeitern Butterbrote geschmiert. Er hat die Gefahr auf sich genommen, weil er etwas Anständiges machen wollte. Das ist für Meike Lobo die SPD. Das hat mich bewegt und trifft es auf den Punkt. Ich kenne übrigens auch hier viele Ortsvereine, in denen Genossinnen und Genossen in der Nazizeit für die Sache ihr Leben auf’s Spiel gesetzt haben. Politik muss gemacht werden, weil es anständig ist und nicht, weil eine riesen Show darum gemacht wird und Hochglanzprospekte gedruckt werden. Mein Team und ich wollen Butterbrote (lacht). Das klingt irgendwie kitschig, ist aber im Prinzip genau das, wozu ich jede Genossin und jeden Genossen ermutigen möchte – einen Wahlkampf wegen der Sache und weil wir etwas Anständiges für die Gesellschaft leisten möchten. Mir persönlich sind geschmierte Butterbrote lieber, als jeder andere Schnickschnack.

 

Klartext: Also gibt’s demnächst bei der SPD in Schotten geschmierte Butterbrote.

 

Bettina Müller: (lacht) Ich bin dabei!

 

Klartext: Danke für das Gespräch!