Fachkräftemangel sorgt für lange Wartezeiten im Handwerk

Die Kreishandwerkerschaft Gelnhausen-Schlüchtern schlägt Alarm: der zunehmende Fachkräftemangel ist daran schuld, dass immer mehr Kunden länger auf Handwerker warten müssen. Im Gespräch mit Esther Hummel, Joachim Wagner und Klaus Zeller von der Kreishandwerkerschaft Gelnhausen-Schlüchtern am Rande des Parlamentarischen Abends des hessischen Handwerks erörterte SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Müller dieses Problem.

„Durch intensive Werbung um jeden Auszubildenden konnten die Ausbildungszahlen im Handwerk gehalten werden. Jedoch sieht die demografische Entwicklung in den nächsten Jahren so aus, dass die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1965 nun in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Dieser Verlust von Arbeitskräften, quer durch die Republik kann mit den jetzigen und zukünftigen Schulabgängern nicht aufgefangen werden. Deshalb wird das Handwerk versuchen noch intensiver die Werbetrommel zu rühren“, erläuterten die Vertreter der Kreishandwerkerschaft der Abgeordneten. Bereits jetzt kommt es zu langen Wartezeiten, wenn Kunden Handwerker beauftragen – durchschnittlich bei etwa 10 Wochen liegt die Wartezeit im Gesamthandwerk, in einzelnen Branchen sogar noch deutlich darüber.

„Die Auftragsbücher der Betriebe sind voll, die Unternehmen dementsprechend zufrieden. Aber in naher Zukunft, wenn die Generation der Baby-Boomer in den Ruhestand geht, wird der bereits jetzt zu beobachtende Fachkräftemangel sich noch verstärken und für noch längere Wartezeiten sorgen. Der Mindestlohn für Auszubildende und auch das kommende Fachkräfteeinwanderungsgesetz sollen dazu beitragen, dem Mangel entgegenzuwirken“, erläuterte Bettina Müller die aktuellen politischen Vorhaben rund um den Fachkräftemangel.

Einig war man sich, dass auch die Integration von Flüchtlingen dem Fachkräftemangel entgegenwirken kann. Wagner und Zeller wussten zu berichten, dass die Bereitschaft der Betriebe im Kreis sehr groß sei, was die Ausbildung von Flüchtlingen betreffe und hier sehr viele Betriebe bereits gute Erfahrungen gemacht haben. Esther Hummel merkte an, dass es weiterhin wichtig sei, auch direkt an Schulen für eine Ausbildung im Handwerk zu werben. Viele Schülerinnen und Schüler hätten immer noch falsche Bilder von Handwerksberufen.  Hier müssen wir vor allem auch für deutlich machen, dass eine Ausbildung keinesfalls schlechter als ein Studium ist und eine gute Basis für ein erfolgreiches Berufsleben bildet.

„Um Ausbildungen im Handwerk attraktiv zu halten, ist es aber auch notwendig, den ländlichen Raum zu stärken. Wohnortnahe Berufsschulen steigern die Attraktivität von Ausbildungsberufen und stärken auch kleine lokale Betriebe, die so eher Auszubildende fänden, als wenn diese weite Wege zur Berufsschule in Kauf nehmen müssten“, so Bettina Müller.