Wir brauchen einen flächendeckenden Tarifvertrag für die Pflege!

Wir sehen und hören gerade überall, wie wichtig die sozialen Berufe für das Funktionieren unserer Gesellschaft sind. PolitikerInnen aller Parteien zollen den Beschäftigten in Statements ihren Respekt, BürgerInnen verabreden sich abends, um vom Fenster aus Applaus zu spenden.
 
Es ist zwar schön, dass diese systemrelevanten Berufe durch solche Gesten mehr Aufmerksamkeit erlangen. Das alleine reicht aber nicht. Wir müssen konkrete Maßnahmen ergreifen, um diejenigen besser zu unterstützen, die eine hohe Arbeitsbelastung haben, große Verantwortung tragen, dafür aber bislang nur bescheiden entlohnt werden.
 
Das gilt besonders für die Pflegeberufe. Zwar haben wir für diese in den letzten Jahren viele Verbesserungen erreicht: das Schulgeld wurde abgeschafft, eine flächendeckende Ausbildungsvergütung eingeführt, Mindestbesetzungen beim Pflegepersonal in den Krankenhäusern festgelegt.
 
Auch die Nachricht, dass die Gewerkschaft Verdi und die im letzten Jahr von der AWO, dem Arbeitersamariterbund und anderen sozialen Arbeitgebern gegründete Bundesvereinigung Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) sich darauf geeinigt haben, den Pflegekräften eine Sonderprämie von bis zu 1500 Euro zu zahlen, hat mich gefreut. Trotzdem gibt es noch vieles zu tun.
Ich bin der festen Überzeugung: das wirksamste Mittel um die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte wirklich zu verbessern ist eine flächendeckender Tarifvertrag für die Pflege. Auch Verdi, Sozialverbände und viele andere Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten fordern dies schon lange.
 
Leider befürchte ich jedoch, dass nach dieser Pandemie allen warmen Worten und netten Gesten zum Trotz die Pflegenden und ihre Arbeitsbedingungen wieder in Vergessenheit geraten. Das dürfen wir nicht zulassen. Die breite Anerkennung, die Pflegende gerade jetzt für ihre Arbeit erhalten, sollten sie zukünftig auch im Geldbeutel spüren können.